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Anmerkungen zum Protokoll werden in der nächsten Sitzung unter dem Tagesordnungspunkt -Genehmigung des Protokolls- dokumentiert.
- Umsetzung von Inklusion in Kindertagesstätten und Schulen - Bericht

Gemeinsame Sitzung des Schulausschusses und des Jugendausschusses der Gemeinde Neu Wulmstorf
TOP: Ö 4
Gremien: Schulausschuss der Gemeinde Neu Wulmstorf, Jugendausschuss der Gemeinde Neu Wulmstorf Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Di, 09.04.2013 Status: öffentlich
Zeit: 19:40 - 21:50 Anlass: Gemeinsame Sitzung
Raum: Ratssaal, Rathaus
Ort: Bahnhofstraße 39, 21629 Neu Wulmstorf
VO/13/01408 Umsetzung von Inklusion in Kindertagesstätten und Schulen - Bericht
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Fachdienstleiter Priewe
Federführend:II.II Fachdienst Soziales Bearbeiter/-in: Priewe, Klaus

Wortbeitrag:

Wortbeitrag:

Frau Wolf teilt mit, dass Herr Dr. Wachtel vom Niedersächsischen Kultusministerium leider kurzfristig abgesagt hat, da im Kultusausschuss ganz aktuell über einen neuen Erlass mit Wirkung ab 01.08.2013 beraten wird. Bevor nicht Entscheidungen im Land gefallen sind, ist es Herrn Dr. Wachtel nicht möglich, darüber zu referieren. Falls keine Einwände vom Ministerium erhoben werden, wird Herr Dr. Wachtel voraussichtlich in der nächsten Sitzung des Schulausschusses am 13.06.2013 Bericht erstatten.

 

Anschließend teilt Herr Priewe den Sachstand zur Umsetzung von Inklusion mit.

Inklusion steht unter dem Motto Vielfalt macht stark!und ist mittlerweile geltendes Recht in Deutschland. Sie greift in alle Bereiche des öffentlichen Lebens.

 

Für den Bereich der Kindertagesstätten werden neue Regelungen im Kindertagesstättengesetz und insbesondere eine klare Aussage zu den Gruppengrößen erwartet, um bessere Voraussetzungen zur Umsetzung des Inklusionsgedanken zu schaffen. Das in Neu Wulmstorf entwickelte Modell mit 25 Kindern und 2,5 Erziehern (Harburger Modell) stößt auf Bedenken bei den zuständigen Ministerin des Landes.  

 

Im Anschluss informiert Herr Priewe anhand einer Power-Point-Präsentation der Niedersächsischen Landesschulbehörde  zum Thema Inklusion an den Schulen. Die Ausführungen werden als Anlage zum Protokoll zur Verfügung gestellt.

 

Für den Schulträger bedeutet Inklusion auch, dass Gebäude bis zum Jahr 2018 baulich umgestaltet werden müssen. Es müssen beispielsweise Treppen überwunden, automatische Türöffner installiert  und zusätzliche Räume für Therapien und Sozialarbeit geschaffen werden.

 

Anschließend erteilt die Vorsitzende Herrn Albers das Wort.

Herr Albers, Geschäftsführer LeA e.V., betont, dass Inklusion nur dann funktionieren kann, wenn der Mensch mit seinen Besonderheiten im Vordergrund steht und die dringend notwendige personelle Ausstattung der Schulen und Kindertagesstätten erfolgt. Mehrfach schwerstbehinderte Menschen benötigen häufig eine 1:1-Betreuung. Die Kommunen sollten auf das Land einwirken, um das dringend notwenige Personal zu erhalten.

 

Frau Ranze unterstützt die Ausführungen von Herrn Albers. Außerdem merkt sie an, dass Barrierefreiheit nicht nur sächliche und räumliche Ausstattung bedeutet, sondern beginnt damit, Barrieren im Kopf abzulegen und jedes Kind so anzunehmen, wie es ist.

 

Frau Kracht erklärt, dass der Inklusionsgedanke an der Grundschule am Moor schon seit vielen Jahren gelebt wird. Jedes Kind wird nach ganzheitlichen Gesichtspunkten betrachtet und im Bedarfsfall professionelle Unterstützung hinzu gezogen. Die Ausrichtung der Schulpolitik war in den  vergangenen Jahren im Hinblick auf die vorgeschriebenen Vergleichsarbeiten nicht inklusiv, sondern vielmehr selektiv. Personelle Ausstattung ist eine Grundvoraussetzung aller schulischen Arbeit.

 

Ratsherr Gottschewsky stellt zur Diskussion, ob in Neu Wulmstorf im Hinblick auf die Zeitschiene (01.08.2018) eine Umsetzung gelingen wird. Er denkt dabei besonders an notwendige Schulungen von Lehrkräften und Erziehern/innen sowie an die Realisierung von Baumaßnahmen.

Frau Wolf gibt zu bedenken, dass in Anbetracht der unklaren Rechtslage momentan wenig Raum zum Reagieren bleibt. Sie räumt ein, dass der Zeitrahmen sehr knapp bemessen ist. Die Verwaltung wird daher soweit möglich mit den Vorarbeiten beginnen. 

Frau Kracht meint, dass die Schulen aufgrund guter innerörtlicher Vernetzung in der Regel bereits einige Zeit vor der Einschulung wissen, welche Kinder kommen werden. So bleibt noch etwas Vorbereitungszeit. 

 

Auf Nachfrage von Ratsherrn Kleenlof erwidert Herr Priewe, dass es Schwerpunktschulen nur für einen Übergangszeitraum bis 2018 geben wird.

 

Ratsherr Handtke stellt fest, dass die Politik gefordert ist, den Begriff Inklusionin politisches Handeln umzusetzen und vor Ort die richtigen Schritte einzuleiten. Damit sei nicht gemeint, wir müssen handeln, sondern wir haben den Wunsch zu handeln.Er hat Verständnis für die Absage von Herrn Dr. Wachtel, die Politik erwartet jedoch, dass sich zu einem späteren Zeitpunkt ein Vertreter des Ministeriums den Fragen stellt.   

 

Nach Abgabe des Vorsitzes bringt Ratsfrau Seifert zum Ausdruck, dass sie die Einbindung von Menschen mit Behinderungen sehr begrüßt. Die Laurenz-Spethmann-Häuser sind ein großes Glück für die Gemeinde Neu Wulmstorf. Aufgrund der engen Zusammenarbeit kann eine punktuelle Planung stattfinden.

 

Nach Wiederaufnahme des Vorsitzes erteilt sie Ratsherrn Klein das Wort. Dieser hofft, dass ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden, um optimale bauliche und personelle Voraussetzungen und somit humane Bedingungen zu schaffen.

 

Ratsherr Schmidt-Riediger zitiert aus der Tagespresse (Hamburger Abendblatt vom 09.04.2013), dass die Zahl der Förderschüler in Hamburg ansteigt. Er möchte wissen, ob diese Entwicklung auch auf Neu Wulmstorf zutrifft.

Frau Kracht hat festgestellt, dass der zwischenmenschliche Umgang schwieriger geworden ist. Vielen Kindern fehlt die Zeit, sich zu entwickeln. Außerdem ist der Leistungsdruck angestiegen. Generell lässt sich jedoch keine steigende Anzahl an Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf feststellen.

 

Frau Stahmer knüpft an die Aussagen des Ratsherrn Handtke an. Es ist sehr wichtig, dass ein Vertreter des Niedersächsischen Kultusministeriums Rede und Antwort steht. Die bisher für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zur Verfügung gestellten zusätzlichen Lehrstunden waren viel zu knapp bemessen und keine große Hilfe für die Schulen.

Frau Stahmer äußert die Befürchtung, dass die wenigen auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren Sonderpädagogen den Bedarf bei Umsetzung von Inklusion nicht annähernd decken können. In den Förderzentren stehen nur etwa 20 Prozent der benötigten Fachkräfte zur Verfügung.

Frau Riecken teilt die Einschätzung ihrer Vorrednerin und stellt die praktische Umsetzbarkeit in Anbetracht des fehlenden Fachpersonals in Frage.      

 

Ratsherr Gottschewsky möchte, dass das Thema (zurzeit für ihn noch wie eine black box) in regelmäßigem Abstand auf die Tagesordnung genommen wird, damit deutlich wird, welche Erwartungen an die Politik gestellt werden und wie der Handlungsrahmen aussehen könnte. Von großer Bedeutung ist, dass Inklusion zur Normalität wird.

 

Frau Dibbern fügt hinzu, dass der Fachkräftemangel auch die Kindertagesstätten sehr betrifft. Sie regt an, dass jede Kindertagesstätte eine Erzieherin/einen Erzieher zur heilpädagogischen Zusatzausbildung anmelden sollte, um den bevorstehenden Fachkräftemangel zumindest teilweise aus eigenen Reihen ausgleichen zu können. Die Verwaltung nimmt den Vorschlag auf.

 

Beigeordneter Kanebley stellt fest, dass der Politik die Konsequenzen der Inklusion eigentlich noch nicht bekannt sind. Seiner Einschätzung nach könnte es durchaus sein, dass eine Verlängerung der Fristen in Kraft gesetzt wird. Er erkundigt sich nach den Grenzen der Inklusion.

Herr Priewe antwortet, dass das Förderschulangebot weiterhin bestehen bleibt.

 

Die Vorsitzende fasst den Beratungsstand abschließend zusammen. Es wurde mehrfach der Wunsch deutlich, dass ein Vertreter des Niedersächsischen Kultusministeriums über das Thema berichten und für Fragen zur Verfügung stehen möge. Die Verwaltung wird gebeten, sich dafür einzusetzen, dass dies auch erfolgt.            

 

 

Beschluss:

Beschluss:

Der Schulausschuss und der Jugendausschuss nehmen den Bericht zur Kenntnis

 

 


 



 
 
 
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